Presse-Mitteilungen zur Eröffnung des Konrad Kujau Museum im Alten Haus Pfullendorf:

Stern vom: 05.05.2005
Baden-Württemberg: Pfullendorf eröffnet Konrad Kujau Museum

Pfullendorf: Gestern wurde im "Alten Haus" in Pfullendorf das Konrad Kujau Museum eröffnet. Ausgestellt werden neben falschen Picassos, Renoirs und van Goghs auch Werkzeug und die Werkstatt des Hitler-Tagebücher-Fälschers.

Van Goghs "Sonnenblumen" sind im Original etwa 120 Millionen Euro wert und rar sind die Momente, an denen Besucher das echte Bild betrachten können. Wer sich mit einer Fälschung von Kujau zufrieden gibt, der darf sich in Pfullendorf daran erfreuen.

Alle Meisterstücke des Fälschers, von Renoir über Monet bis zu Picasso, können im Konrad Kujau Museum in einer Ausstellung, die in dem historischen "Alten Haus" ein besonderes Ambiente erhält, betrachtet werden.

  Quelle:  www.suedkurier.de
Südkurier vom: 11.05.2005
Alte Meister und ein begnadeter "Fälscher"
Konrad Kujau Museum im "Alten Haus" in Pfullendorf eröffnet - Werkstatt der gefälschten Hitler-Tagebücher zu sehen
Pfullendorf
VON SIEGFRIED VOLK
 
Bild:
Im 1317 erbauten "Alten Haus" ist das Konrad Kujau Museum untergebracht, das am Mittwochabend offiziell eröffnet wurde.
siv/Bilder: Volk

 

Pfullendorf - Die einmalige Verbindung zwischen gefälschter Kunst und historischer Architektur bietet das Konrad Kujau Museum im "Alten Haus", das seit vergangenen Freitag den Besuchern offen steht. Zu sehen sind zahlreiche Bilder von weltberühmten Malern wie Picasso, Renoir oder van Gogh. Dazu die Malerutensilien und die Werkstatt, in dem der geniale Fälscher die Hitler-Tagebücher schrieb.

Die "Sonnenblumen" des holländischen Malers Vincent van Gogh sind weltberühmt, rund 120 Millionen Euro wert und nur selten können Besucher das Original in Augenschein nehmen. Wem eine Kopie des genialen Fälschers Konrad Kujau genügt, der kann sich im "Alten Haus" von der Kunst-Fertigkeit des Mannes überzeugen, der mit seinen gefälschten Hitler-Tagebüchern weltweit für Furore sorgte. Ob Renoir, Monet oder Picasso - die Meisterwerke dieser weltberühmten Maler sind im einzigartigen Konrad Kujau Museum in einer besonderen Ausstellung zu sehen, die durch das historische Ausstellungsgebäude einen besonderen Reiz erfährt.

"Wir können das Alte Haus endlich öffnen und erlebbar machen", wertete Bürgermeister Heiko Schmid die Eröffnung als besonderen Tag für die Stadt. "Die Verzierung dieser Welt ist Kunst" zitierte er Wilhelm Busch bei der Frage, was denn nun Kunst sei. Sein Dank galt allen Verantwortlichen, die die schnelle Umsetzung des Projektes ermöglichten und dem Gemeinderat, der "dicht gehalten hat". Petra Kujau, Nichte und künftige Museumschefin, erinnerte an den entscheidenden Anruf von Hermine Reiter, Leiterin der Volkshochschule, die wegen einer Kujau-Ausstellung nachfragte. Bei einem Ortstermin in Pfullendorf habe sie sich dann sofort in das "Alte Haus" verliebt, gestand die quirlige Dresdnerin, die künftig die Besucher durchs Museum führt, in dem im Keller noch eine Alchimistenküche eingerichtet ist. Dabei wird sie manche Anekdoten über ihren berühmten Onkel zum Besten geben wird. Einen Vorgeschmack lieferte die temperamentvolle Galeristin mit der Story über den vermeintlichen Spazierstock von Friedrich dem Großen, den Kujau dem Journalisten und Hitlertagebuchkäufer Gerd Heidemann "andrehte". "Der Heidemann hat alles genommen, und da auf dem Stock die Initialen FR eingraviert waren, hat er ihn für 5000 Mark gekauft." Im Keller des neuen Museums ist jene Fälscherwerkstätte zu sehen, in der Kujau die berühmten Tagebücher erfand und die Kladden voll schrieb, die kurzeitig die Welt in Aufruhr und die Illustrierte "Stern" fast an den Abgrund brachten. Gerd Heidemann wird Anfang Juni nach Pfullendorf kommen, und sich das Museum anschauen. "Ein Fernsehsender dreht gerade eine Dokumentation über ihn", erzählt Petra Kujau. Überhaupt ist das Medieninteresse an dem neuen Pfullendorfer Museum enorm, berichtete Bürgermeister Schmid, dass sich die "Fernseh- und Radiosender die Klinke in die Hand geben".

Etwas erschwert wurde die Ausstellung durch den denkmalgeschützten Status des "Alten Hauses". "Wir durften keine Nägel reinhauen oder neue Löcher bohren, und deshalb hängen auch manche Bilder schief", erzählte Petra Kujau unter dem Gelächter der Besucher, unter denen sich zahlreiche Gemeinderäte befanden. Musikalisch hatte der Chor "Chips & Flips" die Gäste auf das Ereignis mit dem Uraltschlager von Peter Alexander eingestimmt: "Hier ist ein Mensch, öffne die Tür" und wer nach dem Rundgang noch etwas Nahrung brauchte, wurde von den Trachtenfrauen verköstigt.

Mit diesen Utensilien malte Kujau viele Meisterwerke, darunter Carl Spitzwegs "Armen Poeten" nach.